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Heilendes Quellwasser in Delphi


Delphi, 176 Kilometer von Athen entfernt gelegen, erreicht man über die Straße, die über Levadia und Arachova durch Böotien führt.

Delphi - das ist nicht nur die antike Stadt in der altgriechischen Landschaft Phokis - es ist seit dem achten Jahrhundert vor Christus der wichtigste Kultort des Apollons.

Apollon, der Gott des Lichts, der Jugend, der Dichtung und der Musik, der Heilkunde und der Weissagung, wurde von den Griechen als die geistige Macht von Ordnung, Maß und Einsicht, als ein Gott der Reinigung und Sühne verehrt.




Das Orakel von Delphi hatte vor allem in der Archaik große politische Bedeutung: es wirkte auf die Verfassung der griechischen Städte und viele politische Unter-nehmungen ein.

Auf dem Ausgrabungsgelände befinden sich noch weitere Sehens-würdigkeiten: das Heiligtum der Athene, das Gymnasion und das Stadion, in dem die pythischen Spiele abgehalten wurden.

Der dort sprudelnden Kastalischen Quelle werden heilende Kräfte nachgesagt - dies alles sind Gründe, weswegen die Griechen Delphi für den Mittelpunkt der Welt hielten; der Omphalos-Stein im Tempel des Apollon sollte den „Nabel der Welt" symbolisieren - er ist neben vielen anderen Fund-stücken von der Orakelstätte im nahe gelegenem Delphi-Museum ausgestellt, in das man nach einem Besuch der Ausgrabungsstätte auf jeden Fall gehen sollte.


Mythos und Geschichte des Orakels:
Das Heiligtum liegt an der Strasse, die vom Korinthischen Golf nach Mittel - und Nordgriechenland führte. Hier wurde schon im 2. Jahrtausend v.Chr., in mykenischer Zeit, die Erdgöttin Gaia verehrt, die aus einer Grotte Orakelsprüche erteilte und von ihrem Sohn, dem Drachen Python bewacht wurde. Nach ihm hiess das Gebiet ursprünglich Pytho.
Der Lichtgott Apoll erlegt in zartem Alter den erdgeborenen Python und verlässt darauf Delphi, um sich zu läutern. Nach der Läuterung kehrt er bekränzt zurück, in das Heiligtum, das nunmehr ihm gehört. Der Bereich wird von Pytho in Delphi umbenannt und Apoll selbst erhält den Beinamen Pythios. Über die rein mythische Bedeutung hinaus bezeichnet dies die Einsetzung des Kults des Apollon Delphinios (eine Inselgottheit, die in Gestalt eines Delphins verehrt wurde) im phokischen Krisa (dem heutigen Chrisso) durch Seefahrer, die aus Knossos auf Kreta gekommen waren.

Zunächst stand das Heiligtum unter der Vorherrschaft der Stadt Kirrha (bei Itea), die jedoch im ersten 'Heiligen Krieg' (590 v.Chr.) vom Bündnis der Thessaler, Sikyoner und Athener besiegt wurde. Unter deren Schutz war die Neutralität und politische Unabhängigkeit des Heiligtums von nun an gesichert und die Voraussetzung für die Bedeutung Delphis als eines zentralen griechischen Heiligtums geschaffen. Zwar kam es in der Folgezeit immer wieder zu sogen. 'Heiligen Kriegen' zwischen Phokern, Amphissern und selbst Athenern, in denen es im Grunde um die unermesslichen Tempelschätze und die Möglichkeit ging, die Priesterschaft und damit das Orakel zu beeinflussen.

Die Autorität des Orakels blieb jedoch unangefochten. Nachdem Delphi 191 v.Chr. in die Hände der Römer gefallen war,wurden die Schätze des Heiligtums immer mehr ausgeplündert. Zwar gab es bis ins 2. nachchristliche Jh. Versuche den Ruhm der Orakelstätte wieder zu festigen, aber der Niedergang war nicht mehr aufzuhalten - der 'Nabel der Welt' verfiel allmählich zu einer Ruinenstätte und geriet schliesslich gänzlich in Vergessenheit.


Die Siedlung Delphi:


Rings um das Heiligtum hatte sich ein kleines Gemeinwesen von etwa 1000 Bewohnern gebildet, deren Einkommensgrundlage die Versorgung des Heiligtums und der Pilger war: die einen verkauften Messer für rituelle Schlachtungen, die anderen kultisch-religiöse Gegenstände, andere verdingten sich als Arbeiter oder stellten steinerne Weihstelen her.
 



Die Kulthandlung des Orakelspruchs:

Jeder, der sich ratsuchend an das Orakel wenden wollte, musste zunächst einen Zoll (telono) entrichten, der ihn berechtigte, sich dem Tempel Apolls zu nähern, um dort seine Opfergaben niederzulegen (Ziegen, Eber, Stiere). Die Pythia beugte sich nach einer kultischen Reinigung durch das Wasser des Kastalischen Quells über den Erdspalt mit dem 'Nabel der Welt' (dem Heiligen Stein) und geriet durch das Einatmen der aufsteigenden berauschenden Dünste und das Kauen von Lorbeerblättern in einen tranceähnlichen Zustand. Ihre dunklen Antworten auf die Fragen der Ratsuchenden wurden von den Priestern in Zweizeiler gefasst, für deren Deutung die Exegeten zuständig waren.


Die Tempeldienerinnen (Pythien):
Die Tempeldienerinnen wurden ursprünglich unter den jungen Mädchen Delphis ausgesucht. Später beschränkten sich die Priester bei ihrer Wahl auf Frauen über Fünfzig, um sich ihrer Tugend sicher zu sein.


Die Archäologische Stätte:

 
(Die ersten Ausgrabungen begannen 1838 und wurden 1935 abgeschlossen) Das Heiligtum des Apoll mit den Schatzhäusern (in denen die Städte ihre Weihgeschenke aufbewahrten), den Tempeln und der 'Perivolos' (der Umfriedung) liegt am Südhang des Parnass, rechter Hand der Strasse, wenn man von Arachova kommt. Den Mittelpunkt des Heiligen Bezirks bildete der alles beherrschende dorische Apollontempel.


Zu beiden Seiten der Heiligen Strasse, die zum Tempel führte, standen prunkvolle Weihgaben, Denkmäler und Schatzhäuser. Nordwestlich vom Tempel liegt das Theater, das 5000 Zuschauer fasste und in dem die Kultspiele zum Sieg Apolls über den Drachen Python aufgeführt wurden. In einiger Entfernung westlich von hier wurden im Stadion alle vier Jahre die Pythischen Wettkämpfe ausgetragen.

Rechts vor dem Eingang zum Heiligen Bezirk fliesst immer noch der Kastalische Quell, in dem sich die Pythia vor der Weissagung läuterte, und linker Hand sind noch Reste eines Athena-Heiligtums zu sehen, in dem sich, wie die Weihgaben zeigen, seit mykenischer Zeit die Verehrung einer weiblichen Gottheit gehalten hatte. Ganz in der Nähe befindet sich ein dorischer Rundbau ('Tholos'), eins der architektonisch bedeutendsten Baudenkmäler der Antike, über dessen Bestimmung man sich immer noch nicht im klaren ist.

 




Das Museum:
Mit dem Bau des Museums, in dem ausschliesslich Funde aus dem Heiligen Bezirk untergebracht sind, wurde im Jahre 1902 begonnen. Gezeigt werden u.a. der 'Nabel der Welt' (eine Nachbildung des Heiligen Steins aus hellenistischer oder römischer Zeit), die Sphinx der Naxier (560 v.Chr.), das Standbild des Antinoos, die Agias-Statue, eine Blumensäule aus dem Dionysos-Heiligtum, auf deren Spitze Tänzerinnen dargestellt sind, Metopen aus den Schatzhäusern er Sikyonier und ,Athener, Karyatide und Zephyr aus dem Schatzhaus der Siphnier, der bronzene Wagenlenker, das Haupt des Dionysos.




Reiserouten:
Im folgenden schlagen wir Ihnen drei Routen vor, auf denen Sie Delphi und Umgebung kennen-lernen können, entweder mit dem eigenen oder einem Mietwagen, oder auch mit dem Überland-bus. Letzteres erfordert sicher einen grösseren Zeitaufwand, aber so haben Sie die einmalige Gelegenheit, das unbekannte Griechenland, wie es nicht in den Prospekten steht, zu entdecken.



1. Delphi - Itea - Galaxidi - Eratini - Agios Nikolaos
Wenn man in Küstennähe bleiben will, dann ist eine Fahrt zu den malerischen Dörfern am Golf von Itea zu empfehlen.

Die erste Station auf der Strasse hinunter zum Meer ist Chrisso (das antike Krisa), mir riesigen Platanen an rauschenden Bächen und einem herrlichen Blick auf die endlosen Olivenhaine von Amfissa.

Itea, vielbesuchte Sommerfrische und Umschlaghafen, der seinen Namen von der Trauerweide (griech. itia) herleitet, liegt in der Nähe des Hafens von Kirrha, einer Siedlung aus frühgriechischer Zeit.

Weiter geht es nach Galaxidi, das in einem kleinen Fjord liegt und über den Ruinen des antiken Oianthe erbaut wurde. Galaxidi, das sich einst auf dem Gebiet der Schiffahrt einen Namen gemacht hatte. Ist heute ein wegen seiner hübschen alten Häuser und reizvollen Atmosphäre sehr beliebter Ferienort, sommers wie winters.

Vorletzte Station ist Eratini (das antike Kolophona), ein malerisches Fischerdörfchen mit schönem Badestrand, ideal zum Baden und Ausruhen. Reste einer antiken Burganlage sind bei Marmara zu besichtigen.

Der Hafen von Agios Nikolaos schliesslich ist der Endpunkt dieser Route Wer weiter in den Süden Griechenlands fahren will, kann von hier zur Peloponnes übersetzen



2. Delphi - Arachova - Parnass - Eptalofos (Agoriani) - Lilea - Gravia - Amfissa - Delphi

Auf dieser Route kommen alle. die die Berge lieben, Bergsteiger wie Skifahrer auf ihre Kosten.

Die Strasse führt von Delphi den Parnass hinauf zunächst nach Arachova, einer der wichtigsten Städte dieser Region, die den Historikern zufolge an derselben Stelle wie das vorhomerische Anemorrheia liegt.

Ganz typisch für Arachova sind die schönen alten Natursteinhäuser und engen Pflastergassen, sowie die farbenprächtigen Web - und Wollstoffe (Hirtenteppiche, Umhängetaschen u.a.(, die man neben anderer Volkskunst in den vielen Souvenirgeschäften erstehen kann. Bei einem Tavernenhesuch sollten Sie auch den herben Wein probieren, der hier angebaut wird.

Von Arachova kann man durch Tannenwälder zu den zwei voll ausgerüsteten Wintersportzentren des Parnass hinauffahren (bei Kelaria und bei Fterolaka), die beide
von der G.Z.F. geleitet werden.

Der Parnass ist nicht nur für Ski-Urlauber sondern auch für Bergsteiger ein Paradies.
Der Aufstieg zum Gipfel, für den man am besten die Sommermonate Juli- August wählen sollte, dauert einen Tag.

An der Strasse zu den Wintersportzentren des Parnass, ca.10 km von Arachova entfernt, liegt die Tropfsteinhöhle Koryktio Andro (heute Soroutavli genannt), die im Altertum, wie Pausanias berichtet, dem Hirtengott Pan und den Nymphen geweiht war.

Wer gern wandert, nimmt den Weg, der von den Ausgrabungen in Delphi ausgeht und über die Bergketten des Parnass zur Höhle führt (in zweieinhalb Stunden). Der Gebirgsstrasse folgend erreichen wir Eptalofos oder Agoriani, ein wunderschönes Bergdorf, das auch wegen seiner Osterbräuche interessant ist. Nächste Station ist das Dorf Lilea an den Quellen des Kifissos.

Heute noch zu sehen sind Reste der antiken Stadt, die nach Lilaia, Tochter des Kephissos, benannt worden war.

Nun verlassen wir den Parnass und fahren durch das Gionas-Gebirge bis Gravia, das im Freiheitskrieg von 1821 eine Rolle gespielt hat, und nach Amfissa, Hauptstadt der Präfektur Fokida, deren fränkische Festung immer noch sehr eindrucksvoll die Stadt überragt. In den ausserordentlich fruchtbaren Tälern ringsum werden vor allem Olivenbäume angebaut. Dieselbe Strasse bringt uns zurück nach Delphi.



3. Delphi - Arachova - Distomo - Ossios Loukas - Distomo - Antikira - Desfina - Kirra - Itea - Delphi
Dieser Ausflug vermittelt uns einen Eindruck vom byzantinischen Griechenland und zugleich die Möglichkeit zur Erholung im Gebirge und am Meer.

Wieder nehmen wir die Strasse nach Arachova, biegen dann rechts ab nach Distomo, einem Landstädtchen, das im Freiheitskrieg oft umkämpft war und fahren dann die Abzweigung nach Ossios Loukas.

Das Kloster Ossios Loukas liegt am Hang des Helikon und ist eines der berühmtesten Bauwerke aus byzantinischer Zeit. Die Haupt-kirche ist ein überkuppelter Oktagonalbau, in dem heute ein Museum untergebracht ist. Eine kleinere Kirche, die Mariä Himmelfahrt geweiht ist, befindet sich an der Nordseite des Klosters. Sehenswert sind vor allem auch die Mosaiken aus dem 1 1. Jh., die Wandmalereien aus derselben Zeit und die Ikonen des berühmten kretischen Heiligenmalers Michail Damaskenos (16. Ih.).

Auf dem Rückweg wieder über Distomo kann man hinunter an die Küste fahren, zuerst nach Aspra Spitia und dann nach Antikira, das im Altertum ein bedeutender Hafen war. Die Strasse führt weiter an den Hängen des Profitis Ilias entlang zum Bergstädtchen Desfina mit seinem typischen Lokalkolorit und den alten Sitten und Gebräuchen.

Von hier oben führt die Strasse in Windungen hinunter zum Golf von Itea nach Kirra, einem Fischerdorf mit schönen Bade-stränden. Hier, an der Mündung des Pleistos, lag im Altertum die mykenische Gründung Kirra. Unsere Rundreise endet, nachdem wir uns noch Itea angesehen haben. dort wo sie angefangen hat: in Delphi


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