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Fahrt über Land
Messenien,
das "fruchttragende" Land des
Euripides, ist reich mit Wasser gesegnet
- ein kostbares Gut in Griechenland, für
das in der Antike nicht zuletzt Zeus selbst
zuständig war. Überall sprudeln
Quellen hervor, bewässern Wiesen und
Weiden für Rinder und Schafe, lassen
Berge und Hügel ergrünen. Ein
blütenreicher Frühling, lange,
nicht zu heiße Sommer, ein "goldener"
Herbst und milde Winter runden das Bild
dieser Landschaft ab.
Unsere Rundreise beginnt in Kiparissia;
vom Hang unterhalb der Burg liegen die Häuser
hingestreut bis ans Meer, bis an den weiten
Strand an den blauen Fluten des Ionischen
Meeres, in dem abends die Sonne glutrot
versinkt - ein grandioses Schauspiel, besonders
von der Burg aus. Rings um den Burgfelsen
Olivenhaine und Weinberge so weit das Auge
reicht, und ein Licht, das Fernliegendes
greifbar nahe rückt - Antike, Byzanz,
fränkisches Mittelalter.
Bei Peristera, kurz hinter dem Dorf
Rahes (5 km von Kiparissia) sind drei
Kuppelgräber entdeckt worden, und je
weiter nach Süden man kommt, desto
mehr häufen sich Spuren einer dichten
Besiedlung in mykenischer Zeit.
Wenige
Kilometer hinter Filiatra liegt an
einem dichtbewachsenen Hang Gargaliani.
Die Aussicht von der Stadt aus lohnt eine
Unter-brechung der Fahrt: wie ein riesiger
grüner Teppich erstrecken sich silbrig
schimmernde Olivenhaine und Rebenfelder
bis ans Meer, bis Marathoupoli mit
der vorgelagerten kleinen Insel Proti, auf
der Reste einer mykenischen Akropolis gefunden
wurden. Überall Ölbäume und
Weinberge, ein einziges Meer aus grünem
Laub in allen Schattierungen, ohne Zäune
und Mauern. Auf einem flachen Hügel
dann die roten Ziegeldächer von Hora,
in dessen engen Gassen das Mittelalter weiterlebt.
PYLOS (Pilos)
(124
km von Pyrgos und 51 km von Kalamata entfernt).
Von dem Palast des Königs Nestor, von
dem der Blick über die ihn umgebene
Ebene und das offene Meer schweift, führt
die Straße südwärts nach
Pylos,
wo zweimal in der Geschichte - einmal während
des Peloponnesischen-Krieges (431 -404 v.
Chr.) und das zweite Mal während des
griechischen Freiheitskampfes (182.1-1829)
- das Schicksal Griechenlands auf dem Spiel
stand.
Der Palast des Königs Nestor
In seinem Museum ist all das zu sehen, was
die Archäologen in Peristera und im
Palast des Nestor, unserem nächsten
Ziel, zutage gefördert haben. 4 km
südlich von hier, bei Englianos,
liegt die mykenische Akropolis mit dem Palast
des "weisen Königs" Nestor,
Kampfgenosse des Odysseus in Troja und Herrscher
im "sandigen Pylos" ,
dem bedeutendsten Zentrum der mykenischen
Welt. Im 13. Jh.v.Chr. erbaut, wurde die
Akropolis im 12. Jh.v.Chr. durch Feuer völlig
zerstört und danach nie wieder aufgebaut.
Die halbe Fläche des Plateaus, das
nicht befestigt war, nahm der prächtig
ausgestattete zweigeschossige Königspalast
ein und die daran angrenzenden Magazine
und Werkstätten. Alle Räume des
Palastes, nicht nur der große Thronsaal
mit dem tönernen Opferherd in der Mitte
und die Gemächer der Königin,
waren mit Wandmalereien geschmückt,
die sich durchaus mit denen im Palast von
Knossos vergleichen lassen. Zahlreiche interessante
Funde geben Aufschluss darüber, wie
die Menschen jener Zeit gelebt haben - die
1250 Tontäfelchen in der erst 1952
entzifferten Linear-B-Schrift, auf denen
die Beamten des Königs ihre Berechnungen
aufzeichneten, oder auch die bemalte Tonbadewanne
mit den Salbgefäßen, genau so
wie Homer sie beschrieben hat, und nicht
zuletzt auch die Fresken.
Im Umfeld der Akropolis wurden außerdem
viele Kuppelgräber freigelegt. Hinter
Hora begleitet uns wieder der Ölbaum,
dieser gesegnete, der Athene heilige Baum,
bis Pilos, das sich im Halbrund in die Bucht
von Navarino schmiegt. Weiße zweistöckige
Häuser mit blumenge-schmückten
Innenhöfen, Bogengängen und Arkaden
- man könnte meinen, auf einer Insel
zu sein. Mächtige, weit ausladende
Platanen beschatten die Straßencafäs
auf der Platia der Stadt, die im Westen
von der Burg überragt wird, einer der
schönsten auf der Peloponnes; sie heißt
"Neokastro", um sie von der antiken
im NW, der Festung "Paliokastro"
oder "Palionavarino" zu unterscheiden.
Unterhalb
der Burg dehnen sich die weiten Sandstrände
der stillen Bucht von Voidokilia.
Methoni an der äußersten
Südspitze der Westküste war unter
dem Namen Pedasos schon im Altertum ein
wichtiger Hafen. Bei Homer hat er den Beinamen
"rebenreich", und eine Überlieferung
will, dass die Stadt in Methoni umbenannt
wurde, weil die Esel (oni) beim Transport
der Trauben schon vom Geruch trunken (methoun)
wurden. Zeugen der venezianischen Herrschaft
sind die imposanten Brunnen, in deren marmornen
Rand sich im Laufe der Jahrhunderte die
Schleifspuren der Zugseile eingegraben haben,
und vor allem die gewaltigen Festungsanlagen.
Eine
riesige Bogenbrücke überquert
den Graben und führt ins Innere der
Burg mit ihren endlos langen wuchtigen Mauern,
den massiven Türmen und monumentalen
Toren. Eine andere Brücke verbindet
die Burg mit dem Wehrturm Burzi auf einer
kleinen vorgelagerten Insel. Aber Messenien
ist hier noch nicht zuende.
Vor
uns liegt Finikoundas, ein malerisches
Fischerdorf an einer Bucht mit langem Sandstrand,
wo Fischkutter und Ruderboote im stillen
Wasser dümpeln.
Die
Tavernen haben Tische und Stühle dicht
am Meer aufgestellt, von dem ein frischer
Windhauch herüberweht. Die Straße
windet sich nun wie eine riesige Schlange
gemächlich durch die grüne Ebene
und endet in Koroni, dessen Festung sich
mit ihren mächtigen Mauern und hohen
Toren wie ein Schiffsbug in den Messenischen
Golf schiebt.
Die Stadt unterhalb der Burg bewahrt mit
ihren alten Patrizierhäusern, den engen
Gassen und Kirchen noch viel vom Aussehen
einer mittelalterlichen Siedlung. Draußen
im Meer, das durchsichtig klar den Sandstrand
umspült, die Insel Venetiko
mit traumhaft schöner Küste. In
einem Palmenwäldchen zu Füßen
der Burg ist in einem kleinen Gebäude
ein Museum für Geschichte und Archäologie
eingerichtet worden.
Ein paar Kilometer weiter dann Petalidi;
eine windgeschützte Bucht mit Sand-
und Kiesel-stränden, die sanft ins
Meer abfallen, Gärten mit exotischen
Bananenstauden - wo soll man anfangen und
wo aufhören bei der Schilderung dieses
Landes, das so reich ist an landschaftlicher
Schönheit...
Zentral-Messenien
Auf der Fahrt durch das messenische Binnenland,
durch Dörfer wie vergessene Paradiese,
gibt das Land freigebig noch so manches
vom Schatz seiner Vergangenheit preis -
prähistorische Siedlungen, Ruinen aus
antiker Zeit, mittelalterliche Burgen und
byzantinische Kirchen warten darauf, entdeckt
zu werden, und in jedem Dorf gibt es auch
ein Kafenion für die wohlverdiente
Ruhepause.
Mavromati (Ithome)
Mavromati ist ein kleines Dorf 32
km vor Kalamata, malerisch zu Füßen
des heiligen Berges Ithome (Ithomi) gelagert,
auf dessen Gipfel sich im Altertum ein Zeus-Heiligtum
befand. Zeus wurde nämlich, wie die
Messener glaubten, nicht auf Kreta und nicht
auf dem Olymp geboren, sondern hier auf
dem Ithome, wo ihn die beiden Nymphen Ithome
und Neda in ihre Obhut nahmen. Aus dem Bergesinneren
entspringt ein Quell, der in der Mitte des
Dorfes aus einem tiefen Spalt hervorbricht,
dem "schwarzen Auge" (mavro mati),
nach dem das Dorf benannt ist. In diesem
kristallklaren, "schönfließenden"
(kallirhoi) Quell, der bei Pausanias Arsinoe-Quelle
heißt, badeten die Nymphen Zeus als
Kind, und dieses Wasser ist es, das die
Wiesen und Felder der Mavromater auch heute
noch ergrünen lässt.
Messene - Kurzer
Rückblick
Nach der Schlacht von Leuktra (371 v. Chr.),
die das Ende der spartanischen Vorherrschaft
auf der Peloponnes bedeutete, gründete
der siegreiche thebanische Feldherr Epameinondas
auf dem Berg Ithome die gleichnamige, befestigte
Stadt (369 v. Chr.), die später nach
der ersten Königin des Landes in Messene
umbenannt wurde. Die neue Stadt wurde Hauptstadt
der befreiten Messener.
Das antike Messene (Messini)
Reste der eindrucksvollen, von Pausanias
so bewunderten Stadtmauer (9 km lang und
bis zu 3 m breit), die zu den wohl vollkommensten
Befestigungsbauten des 4. und 3. vorchristlichen
Jahrhunderts gehört, sind über
weite Strecken noch gut zu erkennen. Die
mörtellos aufgeschichteten Steinmauern
waren in regelmäßigen Abständen
durch halbrunde, zweistöckige und zinnenbewehrte
Türme unterbrochen, von deren Geschützplattform
aus die Verteidigung organisiert werden
konnte.
Die
4 Stadttore waren nach der Richtung der
jeweiligen Straße benannt und ebenfalls
stark befestigt. Am besten erhalten ist
das Arkadische Tor im Nordabschnitt der
Mauer, durch das die Straße zum arkadischen
Megalopolis führte; auf dem Pflaster
am Tor sind noch antike Wagenspuren zu erkennen.
Die
Stadtmauer zog sich auf zwei Seiten vom
Ithome-Gipfel herab und schloss sich im
Süden zu einem schützenden Ring
um das Stadtgebiet, in dessen Zentrum heute
das Dorf Mavromati liegt. Bei den Ausgrabungen
sind die wichtigsten Bauten des antiken
Messene freigelegt worden, darunter öffentliche
Gebäude und Wohnhäuser, Tempel,
das Theater, ein Stadion und eine Begräbnisstätte;
interessante Funde sind im kleinen Museum
des Dorfes zu besichtigen (den Schlüssel
zum Museum hat der Wärter).
Das Voulkanou-Kloster
(Panagia Voulkaniotissa)
Zu Füßen des Dorfes Mavromati
breitet sich die fruchtbare messenische
Ebene aus - Ölbäume und Weinberge
wechseln miteinander ab, blühende Gärten
und Obstbaumreihen, eingefasst von Brombeerhecken
und stachligem Feigenkaktus grenzen an weite
Flächen mit wilden Kräutern, Büschen
und Sträuchern, und unter dem schattigen
Dach lichtgrüner Feigenbäume halten
Schafherden ihren Mittagsschlaf.
Auf dem Marktplatz haben Kaffeehäuser
und Tavernen ihre Tische im Schatten von
Platanen oder Weinlaubdächern aufgestellt
und warten auf Gäste. Von Mavromati
führt ein Fußpfad hinauf zum
Gipfel des Ithome, der heute Voulkano heißt.
Über den Funda-menten des Heiligtums
des Zeus Ithamatas wurde in byzantinischer
Zeit ein Marienkloster errichtet, und zwar,
wie die Überlieferung sagt, weil Eremiten
an dieser Stelle die Ikone der Muttergottes
gefunden hatten. Wandmalereien der kretischen
Schule aus dem 16 Jh. sind in gutem Zustand
erhalten.
1625 wurde etwas unterhalb des Sattels zwischen
dem Voulkano und dem Agios-Vassilios-Hügel
das neue Voulkanou-Kloster gegründet;
man sieht es hinter den Bäumen auftauchen,
wenn man vom Gipfel herabsteigt, vorbei
an den Ruinen des Tempels der Artemis oder
Laphria und dem Lakonischen Stadttor. Ehrwürdigstes
Kleinod des Klosters ist heute die alte
Ikone der Panagia Voulkaniotissa, die zu
Mariä Himmelfahrt am 15. August in
einer feierlichen Prozession wieder zu ihrer
ersten Heimstatt oben auf dem Gipfel geleitet
wird.
Nicht weit von Mavromati liegt Samari,
und vor dem Dorf, bei Kalogerorahi die Samarina-Kirche
(oder "Zoodochou Pigis"), eine
Kreuzkuppelkirche aus dem 12. Jh. Sehenswert
sind der vollendet schöne Glockenturm,
der mit Mosaiken ausgelegte Steinplattenboden
und die Wandmalereien aus dem 12., 13. und
17. Jh. Einem Wegweiser folgend erreichen
wir bald darauf das kleine Landstädtchen
Androussa, dem man noch ansieht, dass es
im Mittelalter eine der wichtigsten Städte
der Peloponnes war.
Man kann sich die relativ gut erhaltene
Burg ansehen und ein Aquädukt, das
Kaiser Andronikos Paläologos anlegen
ließ. Sein Name ist auch mit einem
anderen interessanten Bauwerk verbunden,
das 12 km von Androussa bei Patralona
und Manganiko liegt: dem berühmten
"Andromonastiro" (oder "Andriomonastiro").
Das von mächtigen Platanen umgebene
Kloster vom Typ der eingeschriebenen Kreuz-kuppelkirche
wurde im 12. Jh. laut Überlieferung
von eben diesem Kaiser gegründet, wie
auch sein Name besagt, und ist mit eindrucksvollen,
wenn auch verblichenen Wandmalereien aus
dem 12. 13. und 17. Jh. geschmückt.
Messenische Mani
Kalamata
gegenüber liegt Almiro - ein
kleiner Ort am blauen Meer, darüber
der "männliche Berg", der
Taygetos. Hier ist das Tor zur Messenischen
Mani, dem mittleren "Finger" der
peloponnesischen Hand. Man fühlt sich
plötzlich in eine andere Welt versetzt
- schroff und steil das Gelände, bewaldete
Hänge und kahle Gipfel, stille Bäche
und reißende Wildwasser, tiefe Schluchten
und Katarakte.
Zum Meer hin beruhigt sich das Bild wieder
- Mikri Mandinia und Megali Mandinia,
Ano Verga und Kato Verga, Avia, Akrogiali,
Kitries.
Sand und Kiesel und versteckte Buchten,
aber auch Nadelwälder und frische Quellen,
einsame Kapellen und verwunschene Grotten
mit bizarren Tropfsteinen. Dörfer hoch
droben im Bergwald und Fischerdörfer
am Meer. Häuser aus Naturstein, mit
ge-mauertem Kamin, blühenden Blumen
im Innenhof. Kopfsteinpflaster, byzantinische
Kirchen und Kastelle. Rauchgeschwärzte
Wandmalereien, aber auch Wehrtürme
und Wohntürme. Heiligenbilder, aber
auch Schießscharten.
Eine
in ihrer Wildheit und Gegensätzlichkeit
hinreißende Landschaft, in die sich
noch bis in unsere Zeit kaum je ein Fremder
verirrt hat. Von den Hängen des Taygetos
weht ein kühler Hauch herüber,
verschwiegene Buchten am Meer locken mit
weichem Sand.
Und wieder hohe Türme und Kirchen (Kardamili),
steile Abgründe (Dirou-Schlucht),
maniotische Wohntürme und malerische
Fischerdörfer, dann wieder Buchten,
in denen man sich und die Welt vergessen
kann (Stoupa), Kirchen mit zierlichem
Glockenturm (Thalames, Platsa) -
ein Mosaik aus unvergesslichen Eindrücken.
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