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Argivisches Land
Wenn
wir vom arkadischen Astros im Süden
die Küstenstraße hochfahren,
stoßen wir bei Mili zum erstenmal
auf Herakles' Spuren: 10 km vom Dorf liegt
Lerna, eine mykenische Siedlung,
von der noch Fundamente zu sehen sind -
hier hat Herakles die gefürchtete Hüterin
des Totenreichs, die neunköpfige Lernäische
Schlange getötet.
Die Hauptstraße führt dann durch
Ebenen mit Weinbergen und Olivenhainen am
Meer entlang nach Nea Kios in der
Bucht von Nafplio, mit schönem, flach
ins Meer abfallenden Sandstrand. Am letzten
Karnevalssonntag bewirtet die kleine Stadt
Bürger wie Gäste bei einem Volksfest
mit Wein vom Fass und Braten vom Spieß.
Von hier sind es nur ein paar Kilometer
bis Nafplio, Hauptstadt der Präfektur
und eine der reizvollsten Landstädte
Griechenlands.

Besonders die Altstadt hat noch viel vom
liebenswerten Charme der guten, alten Zeit
-
klassizistische Gebäude mit verschnörkelten,
blumenüberladenen Balkonen, Springbrunnen
aus der Türkenzeit, verschlungene Gässchen,
der Verfassungs-Platz mit den verfallenen
Moscheen und den Straßencafes sind
eine Szenerie, in der man ins Träumen
gerät.

An den gut erhaltenen historischen Bauten
der Stadt lassen sich die Anfänge des
neugegründeten griechischen Staates
ablesen; da ist das Haus des Rechtsgelehrten
Georg Maurer, der dem bayrischen König
Otto gefolgt war, die Kadettenschule, in
der das Kriegsmuseum untergebracht ist,
das Kriegsministerium und die erste Schule,
das Gebäude, in dem das erste Parlament
zusammentrat und die Agios-Spiridon-Kirche,
auf deren Stufen der erste gewählte
Regent Griechenlands, Graf Kapodistrias
einem Anschlag zum Opfer fiel.

Zeugen einer weiter zurückliegenden
Vergangenheit sind die Festungsanlagen von
Nafplio, die vor allem von den Venezianern
ausgebaut und vervollkommnet wurden. Es
ist zwar etwas mühsam, unter den gemauerten
Torbögen hindurch die 857 in den Fels
gehauenen Stufen zur Festung Palamidi hinaufzusteigen,
aber dafür wird man durch einen herrlichen
Blick über den Golf bis zum Parnon-Massiv
belohnt. Etwas weiter unten der befestigte
Felsvorsprung Akronauplia und in der Bucht
die kleine Festungsinsel Burtzi.

Vieles in dieser Stadt hat etwas von der
heiteren, entspann-ten Lebensfreude minoischer
Fresken - der Verfassungsplatz, stimmungsvoll
zu jeder Tages- und Nachtzeit, die kleinen
Tavernen an der Uferpromenade, die romantischen
Freilichtkinos, die Musik, die aus den Lokalen
in die Nacht hinausklingt...
In einem stattlichen
Gebäude am Verfassungsplatz ist das
Archäologische Museum untergebracht,
in dem die großartigen Funde aus
Mykene, Tiryns und Asine ausgestellt
sind. Sehenswert auch die Ausstellung im
Volkskunde-Museum an der Vassileos-Alexandrou-Straße.
Argos
Geografie:
Nur 59 km vom Isthmus entfernt, dürfte
Argos die älteste Stadt Griechenlands
sein, gegründet im 2. Jahrtausend v.Chr.
von Inachos oder Phoroneas, das "göttliche
Wohnhaus" Homers.
Land
und Leute:
Sie ist heute die blühende Hauptstadt
einer landwirtschaftlich geprägten
Provinz, die die Zeugen der Vergangenheit
durchaus lebendig hält: die beiden
Hügel Aspis und Larissa, letzterer
mit der stark befestigten Akropolis, Reste
von Türmen der Pelasger (mit römischen,
byzantinischen und fränkischen Anbauten),
der Tempel des Zeus Lasireios und die Kirche
Katakekrimeni (oder Panagia tou Vrachou
- Unserer lb. Frau vorn Felsen), die auf
den Fundamenten des Tempels der Hera Akraia
errichtet wurde.
Hier wurden auch die Münzen anläßlich
des griechischen Befreiungskampfes geschlagen.
Einzigartig ist das antike Theater mit 20.000
Plätzen, hineingehauen in den Südwesthang
des Felsens in Richtung der Straße
nach Tripolis.
Sehenswürdigkeiten:
- 9 km von Argos entfernt
liegt ein grandioses Denkmal der antiken
Welt, das Argivische Hereion. Nach
einem Brand wurde es im 5. Jh.v.Chr. wiederaufgebaut,
Reste beider Bauwerke sind noch vorhanden.
Weitere Informationen bekommen Sie im
Museum von Argos (Tel.: 0751/28819), das
viele Funde der Umgebung aus prähistorischen,
mykenischen und antiken Epochen enthält.
- Wenn Sie auf der Anhöhe
des Hereions umgeben von antiken Stoss
stehen, so wird vor Ihnen die chryselephantine
Statue der Hera von Polykleites lebendig,
in der Ferne die Ebene von Argos. Auch
hier fanden alle zwei Jahre Festspiele
statt mit sportlichen Wettkämpfen,
religiösen Riten wie Massenopfer
vor den Augen Tausender von Zuschauern.
- Das Gebiet von Argos
ist ein Schmelztiegel vieler Legenden,
darunter auch die des Agamemnon, der dort
das Startsignal zum Aufbruch der Argonauten
nach Troja gab, oder die Geschichte der
Dichterin Telesilla, die angeblich die
Stadt 526 v.Chr. vor den Spartanern rettete.
Argos "durchlebte seine schicksalträchtige
Geschichte mit großer Leidenschaft",
angefangen als mächtige Stadt der
Antike über seine Eingliederung in
das Römische Reich 146 v.Chr. bis
hin zum Jahre 1828, als die Vierte Nationalversammlung
nach Argos einberufen und Kapodistrias
zum Präsidenten Griechenlands ernannt
wurde.
Am Meer
Wenige
Kilometer hinter Nafplio liegt an einer
malerischen Bucht Tolo, Seebad und
beliebter Treffpunkt auch der Nauplioten;
in lauen Sommernächten sind die Tische
in den Strandtavernen dicht besetzt, man
schaut aufs Meer hinaus und lauscht dem
Tuckern der Kaikis, die zur kleinen Insel
Romvi hinüberfahren.
Wer Zeit hat, sollte nach Assini,
dem antiken Asine am Rand der Bucht von
Tolo fahren und sich die prähistorische
Akropolis auf dem schroffen Bergrücken
über dem Meer ansehen. Der griechische
Nobelpreisträger Giorgos Seferis hat
eines seiner schönsten Gedichte über
den König von Asine geschrieben, inspiriert
von der unberührten Landschaft und
von seinem "Vorgänger" Homer,
der Asine im Katalog der Städte aufführt,
die Schiffe gegen Troja sandten.
Der Küstenstraße folgend kommen
wir durch dichtbelaubte Orangen- und Zitronenhaine
zuerst nach Drepano (10 km von Nafplio)
und gleich darauf nach Vivari; die
tiefeingeschnittene Bucht, glatt wie ein
See, mit den Ruinen der venezianischen Festung
darüber, ist ein Bild von überwältigender
Schönheit. Weiter geht es vorbei an
Kandia und Salandi, touristisch erschlossen
wie alle Dörfer hier, nach Kilada,
einem verträumten Fischerdorf in einer
tiefen Bucht.
Kurz vor dem Dorf befindet sich die große
Franghti-Höhle, in der man Spuren mensch-lichen
Lebens aus der Mittleren Steinzeit entdeckt
hat. Etwas weiter landeinwärts liegt
der Marktflecken Kranidi, dessen Häuser
sich den St. Anna-Hügel mit seinen
byzantinischen Klöstern hinaufziehen.
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Die
Straße führt nun wieder ans
Meer, nach Portoheli, einem der
beliebtesten Sommer-frischen der Argolis.
Jeden Sommer kommen sie von überall
her, wie magisch angezogen von der Schönheit
dieser Landschaft, den Tälern und
Hügeln, Häfen und Sandbuchten,
den durchsichtig klaren Wassern, in
denen sich die Träume der Menschen
widerspiegeln, zu Zeiten Homers ebenso
wie heute... Kosta, Ermioni, Thermissia,
Plepi, Metohi, Galatas - Dörfer
der Argolis, von denen man abends die
Lichter von Hydra und den anderen Inseln
herüberblinken sieht.
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Tiryns, Argos, Midea, Mykene
Durch eine grünbewachsene fruchtbare
Ebene führt die Straße von Nafplio
zum Dorf Tiryns (Tirintha) und ein
paar Gehminuten weiter zur mykenischen Akropolis
des "festummauerten Tiryns", wie
Homer es im Katalog der Städte nennt,
die am Trojanischen Krieg teilnahmen. Die
Befestigungsmauern sind älter als die
in Mykene und nur Kyklopen konnten, wie
die Alten Griechen glaubten, die gigantischen
Felsblöcke - die größten
wiegen bis zu 13 Tonnen - aufeinandergeschichtet
haben. Das Ende der mykenischen Epoche kam
mit der Einwanderung der Dornier (1200 v.Chr.)
- die Burg wurde durch Brand zerstört
und nie wieder aufgebaut.
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Bei
den von Heinrich Schliemann 1876 begonnenen
Ausgrabungen wurden im Laufe der Jahre
die Fundamente der wie ein Labyrinth
wirkenden Anlage auf dem Burgplateau
freigelegt und eine Reihe in ihrer Konstruktion
bewunderns-werter Bauten zutage gefördert,
wie die berühmten "Galerien"
und der Palast mit dem Hauptgemach (Megaron)
und dem Königsthron. |
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Die von außen mit ihren unbehauenen
Felsquadern eher grob wirkende Burg stand,
was die Innendekoration betraf, den minoischen
Palästen auf Kreta in nichts nach,
wie die Wand-malereien zeigen, die heute
im Museum von Nafplio und im Athener Nationalmuseum
zu sehen sind.
Der Schatz von Mykene
Von Ireon biegt die Straße nach Norden
ab und führt nach Mykene, dem "golddurch-blinkten
Mykene" Homers. Ein schroffer, grauer
Hügel am Nordrand der fruchtbaren Ebene,
mit dem von Kyklopen aufgetürmten Mauerkranz.
Man muss diese gigantischen, grob behauenen
Felsblöcke berühren, um zu verstehen,
wie sicher sich die Herren der Burg hier
gefühlt haben müssen. In ihren
Mauern trugen sie zusammen, was ihnen bei
ihren Eroberungszügen in die Hände
fiel - Diademe, goldene Becher, purpurne
Vorleger, selbst Bernstein von der Nordseeküste.

Über Jahrhunderte war Mykene Mittelpunkt
der griechischen Welt, Inbegriff der Macht,
der Herrschaft, der Pracht minoischer Hofhaltung,
bis es 1100 v.Chr. in Schutt und Asche fiel
und seine Rechte an Argos übergingen.
Aber in den Dichtungen Homers, den Tragödien
von Aschylos und Sophokles bis hin zu Goethes
Iphigenie sind die tragischen Gestalten
dieser heroischen Zeit bis heute lebendig
geblieben.
Der
Eingang zur Akropolis liegt an der NW-Seite,
am berühmten "Löwentor",
dem frühesten Zeugnis monumentaler
Skulptur in Europa; einen in seiner Bauweise
ähnlichen Nebeneingang gab es an der
Nordseite. Bei Versuchsgrabungen auf dem
Areal der Akropolis stieß Schliemann
1876 auf den "Plattenring" rechts
vom Löwentor, unter dem sich sechs
Königsgräber befanden, die ältesten
unversehrten Königsgräber im Ägäisraum.
Was hier an kostbaren Schätzen geborgen
wurde, darunter die goldene Totenmaske des
Agamemnon, ist jetzt wie die meisten Funde
von Mykene im Athener Nationalmuseum zu
sehen.
Später wurde der Königspalast
freigelegt, Häuser von Würdenträgern,
Heiligtümer, Zweckbauten und außerhalb
des Mauerrings weitere Kuppel- und Schachtgräber,
so dass man sich in etwa ein Bild machen
kann von jenem sagenumwobenen Hof der Atriden.
Wie hoch entwickelt diese vorgeschichtliche
Kultur auf dem Gebiet der Architektur bereits
war, sieht man am eindrucksvollsten am sogen.
"Schatzhaus des Atreus" beim Panagitsa-Hügel.
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